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Hochleistung und Achtsamkeit
Wenn man an den Turniersport denkt, entstehen sofort starke Bilder: Pferde in voller Kraft, präzise Lektionen, fliegende Hufe über Hindernisse, Spannung bis zur letzten Note. Auch ich liebe diesen Sport – die Eleganz, die Energie, die Harmonie zwischen Reiter:in und Pferd, wenn alles passt.
Doch genau hier beginnt mein innerer Konflikt – und auch mein beruflicher Blick als Therapeutin. Denn hinter all der Leistung steht ein fühlendes Wesen: das Pferd. Und es ist unsere Verantwortung, diese beiden Welten – Hochleistung und Achtsamkeit, Sport und Tierwohl – nicht gegeneinander auszuspielen, sondern ehrlich und mitfühlend zusammenzubringen.
In meiner täglichen Arbeit mit Pferden spüre ich oft die Spuren von Druck: festgehaltene Faszien, chronische Überlastungen, psychische Anspannung. Nicht selten sind es gerade Pferde aus dem Leistungssport, die gelernt haben, zu funktionieren – aber dabei ihr natürliches Ausdrucksverhalten verloren haben.
Ich frage mich oft:
Wo endet Förderung – und wo beginnt Überforderung?
Was ist ehrgeizig – und was ist übergriffig?
Und wie kann ich als Reiterin, Therapeutin und Pferdeliebhaberin einen Beitrag leisten?
Ich glaube fest daran: Leistung und Tierwohl schließen sich nicht aus.
Aber sie fordern ein radikal achtsames, ehrliches Reiten.
Nicht jedes Ziel muss heute erreicht werden. Nicht jede Lektion bringt Fortschritt. Manchmal ist eine Pause das größte Geschenk, das wir geben können.
Ich sehe sie, diese echten Pferdemenschen: Die mit Gefühl reiten. Die bereit sind, auch mal loszulassen. Die nicht am Sieg kleben, sondern an der Beziehung zum Pferd. Und ich wünsche mir mehr von ihnen – sichtbar, anerkannt und mutig.
In meiner Praxis behandle ich Pferde mit den Händen – aber immer auch mit dem Herzen. Ich fühle Verspannungen, Kompensationen, Trauma. Und ich sehe, wie viel Heilung entsteht, wenn wir Pferden wieder zuhören lernen.
Das gilt auch im Sport.
Ein sensibles Pferd kann Spitzenleistungen bringen – wenn es sich sicher fühlt, verstanden wird und vertrauen darf.
Darauf sollten wir im Sport hinarbeiten: Nicht auf immer mehr – sondern auf immer besser im Sinne des Pferdes.
Ich wünsche mir einen Reitsport, der:
mehr hinterfragt als rechtfertigt,
mehr Verbindung sucht als Kontrolle,
mehr Demut zeigt als Dominanz.
Denn wer im Sattel sitzt, trägt Verantwortung – körperlich und emotional.
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